Basler Erfolgsgeschichte: 50 Jahre Leben mit einer geschenkten Niere

Aufgrund dieses außergewöhnlichen Ereignisses stellt der Diatra-Verlag den Beitrag vor Erscheinung der DIATRA-Ausgabe 3-2018 zum Lesen zur Verfügung.

Der „Jubilar“ Walter Thalmann

Der „Jubilar“ Walter Thalmann

Im Frühjahr 1968 hat für die Medizin in Basel eine wunderbare Erfolgsgeschichte begonnen. Im Basler Bürgerspital, dem heutigen Universitätsspital Basel, erhielt Walter Thalmann eine Niere, die auch mehr als 50 Jahre nach der Transplantation immer noch tadellos funktioniert. Damit ist Walter Thalmann der Mann mit der weltweit am längsten funktionierenden Niere eines verstorbenen Spenders.

Als der 24-jährige Walter Thalmann am 5. April 1968 operiert wurde, konnte niemand ahnen, dass die seinerzeit transplantierte Niere sagenhafte 50 Jahre einwandfrei funktionieren würde. Die Ärzte des damaligen Bürger- und heutigen Universitätsspitals Basel (USB) hatten noch wenig Erfahrung, handelte es sich doch bei Thalmann erst um die neunte in Basel durchgeführte Nierentransplantation. Heute, mehr als 50 Jahre nach der Operation, ist Thalmann der Mann mit der weltweit am längsten funktionierenden Niere eines verstorbenen Spenders. Noch länger mit einer transplantierten Niere lebt nur eine Frau, die drei Monate vorher in New York transplantiert wurde.

Zur Feier dieses Rekords und zu Ehren aller, die sich für Menschen mit Nierenkrankheiten einsetzen, organisierte das Nierentransplantations­zentrum des USB am 16. August 2018 das „Walter Thalmann-Symposium“. Am Symposium beschrieben Ärztinnen und Ärzte, wie eine Niere entnommen und transplantiert wird. Außerdem berichteten eine Empfängerin und ein Spender über ihre Erfahrungen. Zum Symposium wurden auch sämtliche Patientinnen und Patienten eingeladen, denen am USB oder dessen Vorgängerinstitutionen Bürgerspital und Kantonsspital Basel eine Niere transplantiert wurde.

Gruppenbild der in Basel transplantierten Patienten und Spender beim „Walter Thalmann-Symposium“.  Der Jubilar im grünen Hemd (vorn) sowie kniend (im Anzug) der Leiter des Transplantationszentrums, Professor Dr. Jürg Steiger.

Gruppenbild der in Basel transplantierten Patienten und Spender beim „Walter Thalmann-Symposium“: Der Jubilar im grünen Hemd (vorn) sowie kniend (im Anzug) der Leiter des Transplantationszentrums, Professor Dr. Jürg Steiger.

Das USB ist das zweitgrößte Nierentransplantationszentrum der Schweiz. Pro Jahr werden dort zwischen 60 und 80 Nieren transplantiert. Seit der ersten Nierentransplantation am 7. Februar 1966 sind am USB 2.465 solcher Operationen durchgeführt worden. Durchschnittlich dauert eine Nierentransplantation am USB rund 150 Minuten. Das Durchschnittsalter der Empfänger liegt bei Lebendspenden bei 50 Jahren, bei Spenden von Verstorbenen bei 55 Jahren. Das Durchschnittsalter der Spender beträgt bei Lebendspenden 55 Jahre und 60 Jahre bei postmortalen Spenden. Für eine Lebendspende haben sich am USB 261 Ehepartner, 250 Geschwister und 231 Eltern bereit erklärt.

Das USB kann auf eine Reihe von Pionierleistungen auf dem Gebiet der Nierentransplantation zurückblicken. So spielte das Zentrum eine Vorreiterrolle sowohl bei der Nierenlebendspende von nicht verwandten Spendern als auch bei der Durchführung von immunologisch komplexen Transplantationen wie zum Beispiel blutgruppenüberschreitenden Nierentransplantationen. Außerdem gehört das Transplantations­zentrum des USB europaweit zu den ersten, welche die Entnahme einer Lebendspenderniere minimal-invasiv vornahm.

Universitätsspital Basel, 16.08.2018