das zweite Leben – Nierenlebendspende: Weihnachten 2020 Schwerin

Es ist einfach mal an der Zeit, über einige Dinge zu schreiben, die nicht alltäglich sind, oder die uns heute begleiten. Es sei mir erlaubt und gestattet, an dieser Stelle unsere Selbsthilfegruppe, „das zweite Leben – Nierenlebendspende e.V.“ kurz vorzustellen.

Am 8. September 2012 gründeten sieben Spender-Empfänger-Paare die ehrenamtliche Selbsthilfegruppe „das zweite Leben – Nierenlebendspende“ in der Müritz-Klinik in Klink, Mecklenburg-Vorpommern – unterstützt von Ärzten und Mitarbeitern der Klink in Klink und der Charité Berlin. Begonnen mit zwölf aktiven Mitgliedern sind wir heute auf 80 Mitglieder aus neun Bundesländern angewachsen. Alle sind Spender und Empfänger. Unsere Arbeit reicht von Schleswig-Holstein und Rostock, Thüringen und Sachsen bis Nordrhein-Westfalen. Alles unter der Bezeichnung Ehrenamt. Die Mitglieder dieser Selbsthilfegruppe zeichnen sich durch eine Besonderheit aus. Alle sind Nierenlebendspender und ihre Nierenlebendempfänger.
Was haben wir uns zur Aufgabe gemacht? Wir wollen Ansprechpartner für jene sein, die sich mit der Nierenlebendspende beschäftigen. Ebenso sind wir für Spender- und Empfänger vor und nach der Transplantation da, miteinbezogen sind auch die Angehörigen.
Aus eigener Erfahrung wissen wir, wie wichtig es ist, sich austauschen zu können und Fragen zu beantworten, die außerhalb des medizinischen Bereichs liegen.
Nach erfolgter Transplantation wollen wir uns gegenseitig unterstützen, bei Fragen und Problemen helfen, den Kontakt zu Gleichgesinnten suchen und halten sowie Erfahrungen und Informationen austauschen.
Da unsere Mitglieder über mehrere Bundesländer verteilt sind, halten wir regen Kontakt über Telefon und Internet, WhatsApp und tauschen uns über Skype aus.
Ein weiterer Schwerpunkt sind die Besuche, zu Arzt-Patienten-Seminaren in den jeweiligen Städten.
Krankheit sollte aber nicht alles sein. Wir möchten gemeinsam etwas unternehmen und auf andere Gedanken kommen.
Deshalb organisieren wir in unregelmäßigen Abständen Treffen von Vereinsmitgliedern mit deren Angehörigen bzw. Interessenten. Gäste sind immer herzlich willkommen.
Bei diesen Treffen versuchen wir stets, dass wir entsprechende Referenten gewinnen können, die uns in Form von Vorträgen zu jeweiligen aktuellen Themen begleiten. So können wir immer auf Kliniken zurückgreifen in denen wir selbst als Patienten gelegen haben oder uns empfohlen wurden.

Wir haben zwei feste Termine im Jahr:
Einmal unsere jährliche Vereinstagung, mit der Mitgliederversammlung im Herbst in Klink und zur Weihnachtszeit, der Besuch in Schwerin mit einer Präsentation im Bereich des Schweriner Weihnachtsmarktes.

Die Beziehung zum Bundesland Mecklenburg-Vorpommern ist für unsere Selbsthilfegruppe immer eine Besonderheit. Hier bekommen wir bei unserem Vorhaben viel Unterstützung, durch Politiker der Landesregierung oder der Stadt Schwerin.

Ein Beispiel zeigt, dass das Interesse auch auf dieser Ebene Gehör findet:
2015, Herr E. Sellering (ehemaliger Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern)
2016, Frau A. Gramkow (ehemalige Oberbürgermeisterin von Schwerin)
2017, Herr R. Badenschier (Oberbürgermeister von Schwerin)
2018, Frau St. Drese (Ministerin für Soziales, Integration und Gleichstellung)
2019, Frau St. Drese (Ministerin für Soziales, Integration und Gleichstellung)
Immer an unserer Seite ist die BARMER-Krankenkasse/MV, vertreten durch Herrn H. Kutzbach oder durch Herrn B. Schulte.

Zum Ende der Vorstellung unserer Selbsthilfegruppe, möchte ich darauf hinweisen, dass es uns am Herzen liegt, nicht als eine Stuhl-Kreis-Gruppe angesehen zu werden. Wir bewegen uns an der frischen Luft und suchen Kontakt zur Bevölkerung.

Was bedeutet die Corona-Pandemie für unsere Selbsthilfegruppe, „das zweite Leben – Nierenlebendspende e.V.“?

All unsere Aktivitäten, die für 2020 geplant waren, fielen ins Wasser. Auch wir wurden durch das Coronavirus in jeglicher Weise gestoppt. Ich möchte trotz aller Widrigkeiten, ein paar Daten ansprechen.
Dezember 2019, China meldet die ersten Fälle einer unbekannten Lungenkrankheit aus der Stadt Wuhan.
Im Januar 2020, erreicht das Virus Europa. Bayern registriert den ersten Krankheitsfall. Die Todesfälle erhöhen sich weltweit.
Es folgen Schließungen der Landesgrenzen. Unsere Nachbarn gehen auch in der weiteren Folge zu dieser Maßnahme über. Weite Einschnitte werden getroffen um diese Pandemie einzudämmen.
An dieser Stelle soll genug sein. Jeder weiß, wie es in seinem Bundesland gehandhabt wurde.

Wie gehe ich als Nierenlebendspender oder auch als Empfänger einer Nierenlebendspende mit dieser Situation um?

Am Anfang steht der Gedanke, was nun? Fragen wie, ist meine ärztliche Versorgung gewährleistet? Zumal die Krankenhäuser sich auf Pandemiepatienten vorbereiten. Bin ich wirklich als älterer Mensch, als Nierenlebendspender oder als Empfänger einer Nierenlebendspende besonders gefährdet? Wie verhalte ich mich richtig?
All die Sorgen, die im Kopf hin und her springen, werden erstmal sortiert. In Ruhe Ordnung schaffen und nachdenken. Ein erster Schritt ist die Kontaktaufnahme mit der Ambulanz und dem behandelnden Nephrologen sowie eine Vorstellung beim Hausarzt. Hier erhalte ich Unterstützung, die mir weiterhilft, meine Gedanken zu sortieren.

Aber nun zu den Schwerinerinnen und Schweriner.

Im Grunde sind wir in Schwerin bekannt. Unser Anliegen als Selbsthilfegruppe ist weit verbreitet unter den Einwohnern der Landeshauptstadt Schwerin und den vielen Gästen zur Weihnachtszeit. Seit 2015 sind wir auf dem Schweriner Weihnachtsmarkt vertreten. Wir reichen Lebkuchen mit einem Organspendeausweis an die Bevölkerung weiter. Kinder sind gern gesehen und haben die Möglichkeit, am Glücksrad einen Preis zu bekommen. Mit viel Engagement und Liebe unserer Mitglieder, werden Kleinigkeiten gereicht, die selbst angefertigt werden, wobei die Kinder viel Freude haben. Es ist nicht nur eine Zeit des Schenkens, sondern auch der Augenblick mit den Erwachsenen ins Gespräch zu kommen. Viele Schwerinerinnen und Schweriner sowie viele Besucher aus dem Umland kennen unseren Stand. Es ist immer wieder eine Freude, wenn gerade diese Menschen auf uns zukommen und das Gespräch suchen. Ob Jung oder Alt, dass Thema ist die Organspende, aber auch die Nierenlebendspende, die uns sehr am Herzen liegt. Viele Besucher berichten über Erfahrungen, die sie selbst oder in der Familie gemacht haben. Dafür sind wir da: um zu informieren, sich auszutauschen und mit gutem Gefühl wieder auseinanderzugehen mit dem Versprechen, im kommenden Jahr an gleicher Stelle sich wiederzusehen.
Hier muss ich eine kleine Einschränkung mit auf den Weg geben. Wenn sich die Zahlen nicht erhöhen, sondern nach unten wandern, ist es gut möglich auf ein Wiedersehen. Eine kleine Hoffnung habe ich trotzdem. Es kann auch sein, dass die Aktion vielleicht im Sommer nachgeholt werden kann.
Es sind mit der Zeit nicht nur Gespräche über Organspende oder Transplantation geworden, nein, es sind auch sehr persönliche Gespräche, die wir führen. Dies werte ich als Vertrauensbeweis uns und unserer Selbsthilfegruppe gegenüber. Es sind ja nicht nur die älteren Menschen, mit denen wir reden und uns austauschen, nein, auch Jugendliche finden den Weg zu uns. Immer wieder erstaunlich, dass sich viele Menschen es sich nicht nehmen lassen, uns den ausgefüllten Organspendeausweis zu zeigen. Das Anliegen ist klar. Die unterschiedliche Auslegung lässt uns manchmal staunen und auch grübeln. Das Ziel dieser Gespräche ist vom Gefühl her und deren Auslegung nicht weit auseinander oder unterschiedlich zu sehen. Wenn wir uns so unterhalten oder reden, kommt ein Gefühl der Freude auf, weil vieles, was in der Vergangenheit nicht so einleuchtend war, sich doch zum Vorteil stark geändert hat. Ich denke, dies ist auch ein Erfolg unserer ehrenamtlichen Arbeit. Es liegt uns sehr am Herzen, dass sich viele Menschen mit diesem Problem auseinandersetzten. Wir gehen nicht nur auf die Menschen zu, nein, wir werden auch von vielen Institutionen gebeten, um unsere Erfahrungen und Eindrücke zu vermitteln. So hatten wir die Gelegenheit, uns im Frühjahr 2019 während eines Festes beim regionalen Energieversorger WEMAG AG, in Schwerin zu präsentieren. Diese Veranstaltung ging über zwei Tage. Das Interesse war groß. Nach dem Vortrag wurden viele Fragen gestellt und fanden ausreichende Antworten. An dieser Stelle finde ich zu sagen, Danke Schwerin!

Doch im Jahr 2020, ist alles anders. Für uns und allen Menschen dieser Erde. In diesem Jahr müssen wir leider absagen – schweren Herzens haben wir uns entschieden, auf unseren Informationsstand in diesem Jahr zu verzichten. Weil ganz einfach die Gesundheit im Vordergrund steht. Wir wollen alle schnell diese Pandemie hinter uns lassen. Das zu schaffen, ist im Augenblick das Ziel der Menschheit.

Es ist traurig zu sehen, dass es immer noch Menschen gibt, die sich über alle Vorschläge zur Gesunderhaltung aller Menschen hinwegsetzen. Einige Menschen denken nicht nach und laufen einfach mit, weil sie meinen, es geht gegen den Staat, das eigene Bundesland und da muss man dabei sein. Falsche Einstellung!
Wenn sich diese Gruppe für immun hält, sind sie auf dem Holzweg. Mit diesen Aktionen und im Glauben, dass sie sich nicht anstecken können, liegen sie leider voll daneben. Jeder weiß, wie gefährlich es ist, sich mit diesem Virus anzustecken. Damit gefährdet er nicht nur sich, sondern auch andere Menschen. Mit „jeder“ meine ich, wer normal denken kann und Respekt gegenüber anderen Menschen hat.

Auch wenn sich Schwerin in einer abgespeckten Form auf Weihnachten einstimmt, mit Lichter und viel Glanz, ist es doch nicht so wie in den vergangenen Jahren. Auch wir vermissen die Gemütlichkeit und Einstimmung auf Weihnachten. Aber es ist zurzeit nicht möglich. Selbst Treffen im Familienkreis, die oft länderübergreifend sind, werden in diesem Jahr nicht stattfinden. Wir wissen, dass Weihnachten keine Jahreszeit ist, sondern ein Gefühl.

Mit einem kleinen Gedicht, möchte ich schließen, und mit viel Hoffnung in das Jahr 2021 gehen. Mögen sich alle Menschen an die Corona-Regeln und Einschränkungen halten.

Für jeden Tag ein bisschen Glück,
Gesundheit – ein ganz großes Stück –
und Lachen stündlich oder mehr,
dass wünsch´ ich zu Weihnacht Euch sehr.

Horst Gördel (Mitglied das zweite Leben – Nierenlebendspende e.V.)

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