…und da waren es nur noch 11.000 Wartepatienten!

Seit vielen Jahren verkünden alle Presseorgane, daß es in Deutschland 12.000 Wartepatienten gibt, die auf ein Spenderorgan warten, und daß es täglich drei Tote gibt, die bei Eurotransplant gelistet waren.

Im Juli 2012 wurden die Manipulationen in einigen Lebertransplantationszentren bekannt. Seit dieser Zeit hat sich die Zahl der Organspender kontinuierlich reduziert, und wir haben in diesem Jahr für die Zeit vom 1. Januar bis 31. August 598 Spender, das heißt ein Minus von 18,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Unterschiede werden immer deutlicher, wenn man die 2013-Zahlen im Vergleich zum selben Zeitraum der Jahre 2011 (-23,3 %) und 2010 (-30,1 %) betrachtet. Eine Reduzierung der Organspenden war abzusehen, da sich bei jeder Negativmeldung die Spendenbereitschaft der Bevölkerung automatisch für einige Zeit nach unten bewegt, allerdings nicht in diesem Maße.

Kaum zu verstehen ist jedoch, daß sich die Zahl der Wartepatienten für ein Spenderorgan verringert hat, wo doch durch einen Rückgang der Transplantationen normalerweise ein Anstieg zu erwarten gewesen wäre. Wie Professor Dr. Axel Rahmel von Eurotransplant am 3. September 2013 dem Ärzteblatt sagte, waren es im ersten Halbjahr 2013 23 Prozent weniger Anmeldungen, besonders bei Leber- und Nierenpatienten. Keine Aussage gibt es allerdings zur Leberwarteliste Deutschlands bei Eurotransplant, warum wir mit Stand 1. August 2013 einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr von fast 500 Patienten haben. Sind hier vermehrt Todesfälle vorgekommen oder haben einige Lebertransplantationszentren wegen „Unklarheiten“ bei der Anmeldung in Leiden die Patienten vorsichtshalber auf „NT“ (nicht transplantabel) gestellt oder ganz zurückgenommen?

Was aber niemand so richtig beim Namen nennt, sind die kontinuierlich rückläufigen Anmeldungen zur Nierentransplantation, wo doch die Zahl der Dialysepflichtigen zwar langsam, aber stetig nach oben geht. Einige Verbände zitieren hier noch immer Zahlen der QuaSi-Niere aus dem Jahr 2006 mit 66.508, da es keine neueren Daten in Deutschland gebe. Absicht? Insider haben die Zahlen hochgerechnet – wir liegen in Deutschland im Jahr 2013 bei über 90.000 Patienten, die eine Nierenersatztherapie benötigen.

1997 standen 18 Prozent der Dialysepflichtigen auf der Warteliste für eine Spenderniere. Derzeit sind es noch knapp acht Prozent. Man muß den Patienten, die an einer Spenderniere interessiert sind – und es medizinisch befürwortet ist – raten, sich umgehend, und nicht erst bei zusätzlichen Problemen, auf die Warteliste bei Eurotransplant setzen zu lassen, trotz der derzeitig prognostizierten langen Wartezeit. Wer nicht „teilnimmt“, hat die „schlechtesten Karten“!

Aufgrund der schlechten Organspendesituation hat bei den Nierenpatienten derzeit die Lebendspende Hochkonjunktur. Ihr Anteil lag bis Ende August 2013 in Deutschland bei fast 50 Prozent. Auch wenn die Mediziner hier beste Ergebnisse bei den Empfängern verkünden, sollte ein solch hoher prozentualer Anteil in Zukunft nicht zur Regel werden.

Auch wenn es jedem Berichterstatter im Augenblick schwer fällt, Positives bei der Organspende zu vermitteln, so kann – nein muß – ich alle Interessierten, und vor allem die, die bereits von einer Transplantation profitieren, aufrufen, dies auch nach außen zu zeigen.

Bleiben Sie, liebe Patienten auf der Warteliste, trotz allem hoffnungsvoll. Es lohnt sich, dafür zu kämpfen!

Ihr
Gerhard Stroh

– ich lebe seit 32 Jahren mit einer postmortalen Nierenspende –